Geschichte

Die Gründung und die Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V.

Die 70er Jahre waren die Phasen, in denen Verkrustungen aufgebrochen und ein gesellschaftlicher Aufbruch begann. In dieser Entwicklung gingen bürgerrechtlich orientierte Gesellschaftsbewegungen und Initiativen einher. Das war ein Indiz für die Liberalisierung. Selbstbestimmung und Eigenverantwortung waren die Schwerpunkte. 

Auch die Behindertenbewegung löste sich aus der Umklammerung der Fürsorge des Staates und der Wohlfahrtsverbände. Sie bildete eigene Strukturen und fing an, eigenverantwortlich zu handeln. Zeitgleich erhielten die Selbsthilfeverbände direkte Förderungsmöglichkeiten. 

Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte der Stadt Essen passte in diese Zeit, denn die Rahmenbedingungen waren gut für die Selbsthilfe. 

Ein erster Erfahrungsaustausch fand am 19. Januar 1971 statt. Anlass war die Heilbehandlung für 250 körperbehinderte Kinder durch 3 Betreuerinnen. Dieser Missstand war im wesentlichem auf die schlechte Bezahlung durch die Kommune zurückzuführen. 

Weitere Themen wurden in diesem Erfahrungsaustausch erörtert:

Neubauwohnungen für Körperbehinderte, öffentliche Bedürfnisanstalten, Antrag an das Straßenbauamt, das an Ampelübergängen die Bordsteine abgeflacht werden. Dieser Antrag wurde von der Kommune abgelehnt. Zugänglichkeiten für Straßenbahnen und Züge, Aufnahme von Rollstuhlfahrern in die Helmholtz-Schule, Freizeiten für Menschen mit Behinderungen, Information über Zivildienstleistenden und über die Bedürfnisse behinderter Menschen in Essen.

Es wurde auch über die Gründung eines Arbeitskreises beratschlagt. Dieses sollte unter der Federführung von Winfried Sumpmann vom Pfadfinderstamm Cosmas & Damian erfolgen. 

Aus diesem Arbeitskreis gründeten 5 Vereine am 8.März 1971 die Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte in Essen. Gründungsmitglieder waren:

  • der Pfadfinderstamm Cosmas & Damian mit Herrn Sumpmann als federführender Verband
  • der Verein Lebenshilfe für geistig Behinderte e.V. mit Herrn Dr. Everling
  • der Verband der Contergan Geschädigten mit Herr Beckmann
  • der Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid e.V. mit Herr Hohlmann
  •  der Verein für Kinderhilfe e.V. mit Herr Hammerschmidt

Erster Höhepunkt war im Sommer des Gründungsjahrs eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Essener Politikern über Probleme der Behindertenarbeit in Essen. 

Die erste Satzung der Hilfe Behinderte Essen trat am 12. April 1972 in Kraft. 

Im Jahre 1979 wurde die Hilfe Behinderte Essen e.V. ins Vereinsregister eingetragen. Zu diesem Dachverband zählten mittlerweile 14 unterschiedliche Vereine der Behindertenverbände. 

Im gleichen Jahr wurden 3 Arbeitskreise eingerichtet. Dieses waren Sozialpolitik, Öffentlichkeitsarbeit und Eingliederung Behinderter in das Arbeitsleben. 

Von 1979 bis 1986 hat die Arbeitsgemeinschaft Hilfe Behinderte Essen e.V. eine beratende Stimme im Ratsausschuss der Stadt Essen. 

In der Zeit von 1981 bis 1983 wurde das Modelprojekt „Sport mit Behinderten“ erfolgreich durchgeführt. 

1982 überließ die Stadt Essen uns die oberen Etagen das damalige Bürogebäude der Stadt am Weberplatz zur kostenfreien Nutzung in Selbstverwaltung. Das Haus der Begegnung. Das Erdgeschoss wurde uns 2004 überlassen. 

Im Haus der Begegnung haben Selbsthilfegruppen und Behindertenvereine/–verbände ihre Geschäftsstellen. Eine Cafeteria mit Kegelbahn, verschieden Mehrzweck-, Besprechungs- und Veranstaltungsräume stehen zur Nutzung für unsere Mitgliedsvereine kostenfrei zur Verfügung. Hier werden Besprechungen, Beratungen, Gesprächskreise, Bildungs-, Sport- und Freizeitveranstaltung durchgeführt. 

Ein „Tag der offenen Tür mit Spieletreff“ wurde von 1982 bis 1983 durchgeführt. 

Seit 1983 fanden mehrere Treffen über „Behindertenfragen“ mit anderen Städten statt. 

In den folgenden Jahren fanden weitere Treffen, Hearings und Mitarbeit zu den Themen „Behindertengerechter Ausbau des ÖPNV“, „Barrierefreies Wohnen“ und „Sport mit behinderten Menschen“ statt. 

Unter unserer Mitwirkung wurde 1988 die Arbeitsgemeinschaft Planung und Koordinierung der Behindertenarbeit in Essen (PuK) gegründet. 

Hier wurde in den Jahren 2005 bis 2007 das Signet – Barrierefreie Umwelt in Essen entwickelt. Das Gremium Signet gründete sich 2007 und die ersten Auszeichnungen erfolgtem im selben Jahr. 

Der Europäische Tag behinderter Menschen wurde von 1995 bis 2009 von uns mitgestaltet. 

Durch eine Satzungsänderung 1999 wurde der Dachverband in Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter in Essen e.V. umbenannt. 

Im selben Jahr bekamen wir ein Mandat in der Kommunalen Gesundheitskonferenz.  

Die Herausgaben des Wegweisers für Menschen mit Behinderungen in Essen, erfolgten erstmals im Jahre 1994in Zusammenarbeit mit dem Koordinator für Behindertenhilfen der Stadt Essen. Die 3. überarbeitete Auflage erschien 2007. 

Von 1999 bis 2011 fanden alle 2 Jahre eine Sondersitzung des Sozialausschusses über die Belange der Menschen mit Behinderung statt. In denen auch unsere Anträge und die unserer Mitgliedsvereine behandelt wurden.

Ein Innenstadtplan für Menschen mit Körperbehinderung konnte 2005 unter unserer Mitarbeit entwickelt werden. Der Herausgeber war die Stadt Essen. 

An der Internationalen Konferenz über Menschen mit Behinderungen in Essen nahmen wir 2003 teil. Hier entwickelte sich ein Kontakt zum Forum Razem in Zabrze. Ein Kooperationsvertrag über eine Zusammenarbeit 2004 wurde abgeschlossen. Das geförderte Projekt der Aktion Mensch machte es möglich, dass in den Jahren 2007 bis 2009 10 Austauschverhandlungen in Essen und Zabrze über „Basisstrukturen zwischen Essen und Zabrze intensivieren und stärken – Schulung und Austausch zum Aufbau von Selbsthilfe, Vernetzung und Beratungsstrukturen für behinderte Menschen“. 

Wir wurden 2008 als Berater für Menschen mit Behinderungen in den Lenkungsausschüssen „Umbau Essener Hauptbahnhof“ und „Kulturhauptstadt“ berufen. 

Eine gemeinsame Veranstaltung mit Migranten-Behinderten-Vereine über Selbsthilfe und Behinderung fand 2012 statt. 

Heute sind wir in den unterschiedlichsten Gremien, Arbeitskreisen und Kooperationen für die Belange behinderter und chronisch kranker Menschen auf Kommunaler- und Landesebene vertreten.